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Aus der Chronik der Woogsfreunde



Am Anfang stand der rasche Erfolg des Protests gegen den geplanten Einbau eines Schwimmleistungszentrums mit beheizter Wanne in den Woog im Jahr 1973. Alles ist sehr gut dokumentiert durch die damalige ausführliche Berichterstattung der beiden Darmstädter Tageszeitungen, „Darmstädter Echo“ und „Darmstädter Tagblatt.


September 1971
Der Magistrat der Stadt Darmstadt begrüßt die Pläne des Darmstädter Schwimm- und Wassersportclubs (DSW) zur Errichtung eines Schwimmleistungszentrums im Woog („Woogswanne“) und beabsichtigt, dafür dem DSW eine Fläche von 3.800 Quadratmetern in Erbpacht zu überlassen.

1972
Am Woog - vor allem bei Stammgästen - formiert sich zunehmender Widerstand gegen die Pläne des DSW.

18. Januar 1973
An einem Gespräch auf Einladung von Stadtrat Willy Glas (FDP) nimmt unerwartet eine große Zahl, meist älterer Woogsbesucher teil. Das Gespräch muss deshalb in die Kantine des Stadthauses verlegt werden. Sprecher des Altherren-Schwimmclubs „Die Schlammbeißer“ und einer Gruppe von Schwimmerinnen, die sich „Die Quallen“ nennt, sprechen sich dafür aus, das Schwimm­leistungszentrum nicht in den Woog zu bauen.

Dieser Forderung schließen sich auch die Darmstädter Jungdemokraten an, die damalige Jugendorganisation der FDP.

Karl Helfmann, Sprecher des Schwimmclubs DSW, verteidigt die Wannen-Pläne.

Januar bis Juni 1973
Viele Wochen lang findet eine heftige Diskussion über die Zeitungen, ein „Presse­krieg“, über das geplante Schwimm­leistungs­zentrum des DSW im Woog statt.

Der DSW verteidigt die Pläne und wird zunächst noch vom SPD-Ortsverein Gervinus und dessen Vorsitzenden, Horst Knechtel, unterstützt.

Der Stadtverord­neten-Ausschuss für Betriebe empfiehlt in Anbetracht der Widerstände eine Verkleinerung und Verschie­bung des Schwimm­leistungs­zentrums in die Südwest-Ecke des Woogs, was aber die Gegner des Vorhabens nicht beruhigt.

Der FDP-Ortsverband Darmstadt-Ost spricht sich gegen die Woogswanne aus.

Stadtrat Willy Glas rückt als Bäderdezernent von dem Vorhaben zunehmend ab, erntet dafür massive Kritik des DSW.

30. Mai 1973
Bei einem Woogshearing, zu dem die Darmstädter Jungdemokraten in der Jugendherberge eingeladen haben, werden über 100 Teilnehmer gezählt. Es kommt zu einer hitzigen, hoch emotionalen Diskussion zwischen Vertretern des DSW, die den Bau des Schwimmleistungszentrums im Woog weiterhin befürworten, und den Gegnern des Projekts. Beinahe kommt es zum Abbruch der Veranstaltung.

7. Juni 1973 - Gründungsversammlung
Auf Einladung von Frau Ursula Fuchs-Diefenbach wird unter Versammlungsleitung von Reinhard Cuny die „Bürgerinitiative zur Erhaltung und Pflege des Woogs als Naturbadesee“ in der Bockshaut gegründet. (Darmstädter Echo vom 12. Juni 1973).

Es wird ein Kollegium aus gleichberechtigten Sprechern gewählt bestehend aus Ursula Fuchs-Diefenbach, Adalbert Duyster, Dr. Wagner, Ute Berger, Herrn Heinze, Frau Schmenger, Elisabeth Ackermann, Herrn Köth, und Käthe Dieter. Als Kassenwart wird Hans-Oskar Wendt gewählt.


11. Juni 1973
Stadtrat Willy Glas teilt in einem Schreiben an Ursula Fuchs-Diefenbach mit, der Magistrat werde „durch eine schnelle Untersuchung, die die rechtzeitige Beschlussfassung der Stadtverordneten­versamm­lung nicht gefährdet, prüfen, ob nicht auch ein anderer Standort dafür (die Wanne) möglich ist.“

13. Juni 1973
Stadtbaurat Herbert Reißer (CDU) spricht sich dafür aus, das Schwimmleistungszentrum nicht im Woog, sondern im Bürgerpark Nord zu errichten.

18. Juni 1973
Auch die Stadtverordnetenfraktion der FDP plädiert nun für einen Standort im Bürgerpark Nord, und ebenso sieht die Stadtverordnetenfraktion der SPD inzwischen einen „Vorrang“ für einen Standort im Bürgerpark Nord.

Somit haben sich alle drei damals in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien (CDU, SPD und FDP) von ihrer einige Wochen vorher noch einvernehmlichen Zustimmung zu den Wannenplänen des DSW verabschiedet.

28. Juni 1973
Die Stadtverordnetenversammlung beauftragt den Magistrat, bis September 1973 die Standortfrage zu klären – mit Vorrang für die Errichtung des Schwimmleistungs­zentrums im Bürgerpark Nord.

7. Juli 1973
Der DSW teilt mit, dass er seinen Kampf für die Woogs­wanne aufgegeben habe, und begründet dies mit der „Einsicht, dass wir im Bürgerpark Nord bessere Möglichkeiten für unsere vielseitige Trainingsarbeit haben.“


Damit hatte die Bürgerinitiative schon einen Monat nach ihrer Gründung ihr Ziel erreicht. Sie löste sich aber nicht auf, sondern beschloss, weiterhin für den Schutz und die Erhaltung des Naturbadesees einzutreten.


1974
Die Bürgerinitiative beteiligt sich an der Diskussion über den geplanten Weiterbau der Ostautobahnen A 91 (später als A 49 bezeichnet) und der A 680/B 26 bis zum Darmstädter Ostbahnhof und meldet Bedenken gegen das Vorhaben an. Sie befürchtet eine Beeinträchtigung der Wasserqualität für den Woog.

1976
Wahl von Dr.-Ing. Werner Mässing zum Vorsitzenden.

11. März 1977
Durch Beschluss der Mitgliederversammlung gibt sich die Bürgerinitiative zur Erhaltung und Pflege des Darmstädter Woogs als Naturbadesee eine Satzung als nicht eingetragener Verein.

29. März 1977
Die Bürgerinitiative legt beim Regierungspräsidium Darmstadt formellen Einspruch gegen den geplanten Weiterbau der Ostautobahnen ein.

Juni 1977
Die Bürgerinitiative unterstützt zusammen mit anderen Verbänden die Klage des Vereins Hottonia e.V. gegen das Land Hessen bezüglich des Planfeststellungsbeschlusses zum vierspurigen Weiterbau der neuen autobahnartigen B 26 von der Aschaffenburger Straße bis zum Ostbahnhof.

Die Klage wird zwar in zweiter Instanz vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof aus formalen Gründen abgewiesen, die Kläger erzielen politisch aber einen Erfolg: Denn nach einem Umdenken und entsprechenden Beschlüssen in der Stadtverordnetenversammlung wird das letzte Teilstück der B 26 von der Aschaffenburger Straße bis zum Ostbahnhof nur in einer von vier auf zwei Fahrstreifen heruntergestuften Form gebaut. Und auf den Weiterbau der A 661 (damals noch A 49) von Egelsbach bis zum Ostbahnhof wird verzichtet.

21. bis 24. Juli 1977
400 Jahre Großer Woog: Diverse Veranstaltungen der Bürgerinitiative gemeinsam mit der Vereinigung Alt-Darmstadt, der DLRG-Ortsgruppe Darmstadt, der Aktionsgemeinschaft „Schützt Darmstadt“, dem Kreisverband Darmstadt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dem Seniorenrat Darmstadt und der Versehrtensportgemeinschaft Darmstadt finden am Woog statt.

4. Januar 1979
Nach der für den Botanischen Garten zuständigen Technischen Hochschule Darmstadt erheben auch die Bürgerinitiative zur Erhaltung und zum Schutz des Darmstädter Woogs als Naturbadesee sowie die DLRG-Ortsgruppe Darmstadt Einwendungen gegen die von der Starkenburger Milchliefervereinigung e. G. geplante Einleitung von chloriertem und auf bis zu 25 Grad Celsius erwärmtem Kühlwasser in den Darmbach.

Der Einspruch hat Erfolg: Am 9. Mai 1979 teil der Magistrat der Stadt Darmstadt mit, die Starkenburger Milchliefervereinigung habe ihren Antrag, anfallendes Kühlwasser in den Darmbach einzuleiten, zurückgezogen.

25. April 1982
Der Vorstand der Bürgerinitiative beschließt, den Namen des Vereins zu ändern in „Woogsfreunde - Bürgeraktion zum Schutz des Naturbadesees“.

Februar 1983
Das Institut für Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Raumplanung an der Technischen Hochschule Darmstadt (Prof. Norbert Wolters) stellt die Ergebnisse einer auf Antrag der Woogsfreunde vom Hessischen Umweltministerium geförderten Studie (Diplom-Arbeit) über „Umweltrelevante Sicherungsmaßnahmen für den Naturbadesee Großer Woog“ vor.

Die Studie betont vor allem die Notwendigkeit, das Wassereinzugsgebiet des Woogs zu schützen, dort möglichst viel Niederschlagswasser in den Untergrund gelangen zu lassen und schädliche Flächennutzungen zu verhindern.

14. September 1985
Der Hessische Minister für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz, Willi Görlach, verleiht der Bürgeraktion Woogsfreunde die Ehrenplakette für besondere Verdienste um den Schutz der Natur.

Juni 1989
Die Woogsfreunde schlagen die Woogsinsel als Standort für das von Holzbildhauern aus der polnischen Schwesterstadt Płock geschnitzte Fischerpaar vor.

Anerkennung der Woogsfreunde als gemeinnütziger Verein durch das Finanzamt Darmstadt.

Dezember 1989
Die Bürgeraktion Woogsfreunde vereinbart mit der Stadt Darmstadt eine Gewässerpatenschaft.

22. September 1991
Tod des langjährigen Vorsitzenden, Dr. Werner Mässing.

26. November 1991
Wahl von Adolf Kleinschmidt zum Vorsitzenden der Woogsfreunde.

16. Januar 1992
Unbefristete Verlängerung der mit der Stadt Darmstadt vereinbarten Gewässerpatenschaft.

Mehrfache Baumspenden der Woogsfreunde für das Inselbad (sog. „Schattenspenden“).

11. Juli 1995
Tod von Ursula Fuchs-Diefenbach, der Initiatorin der Bürgerinitiative, im Alter von 74 Jahren.

Juni 1998
Feier „25 Jahre Woogsfreunde“

2001
Erneuerung der Holzbänke im Familienbad durch eine Spende der Woogsfreunde.

2004
Tod von Adolf Kleinschmidt.

4. November 2004
Wahl von Dr. Reinhard Cuny, der 1973 die Gründungsversammlung geleitet hatte, zum Vorsitzenden der Woogsfreunde.

7. Dezember 2005
Die Mitgliederversammlung verleiht der langjährigen Schriftführerin des Vereins (1976 bis 2004), Herlinde Mässing, in Dankbarkeit für ihre Leistungen die Würde der Ehrenvorsitzenden.

18. März. 2007
Tod von Herlinde Mässing.


2007
Protest der Woogsfreunde gegen die Absicht der städtischen Bauverwaltung bei der geplanten Offenlegung des Darmbachs einen kontinuierlichen Wasserfluss des Bachs in der Innenstadt dadurch sicherzustellen, dass bei Bedarf der Wasserpegel im Naturbadesee Woog abgesenkt wird.

2008
Die Woogsfreunde erreichen, dass die gegenüber der Saisonkarte für alle städtischen Bäder günstigeren Saisonkarte nur für den Woog wieder eingeführt wird, die 2007 abgeschafft worden war.

ab 2009
Die Woogsfreunde intensiveren den Einsatz ihres Beitrags- und Spendenaufkommens für die Finanzierung von Investitionen am Woog.

Sie bezahlen u. a. die Anschaffung eines Rasenmähers für das Familienbad, finanzieren die Badeinsel mit, bezahlen eine Kleinkinderrutsche, die Erneuerung der Außenduschenanlage im Inselbad, die Erweiterung der solarthermischen Anlage für die Duschen im Inselbad, weitere Baumspenden, die Anschaffung von Ruhebänken, die Sanierung der Handläufe im Familienbad, den Neuanstrich der Holztüren im Familienbad, einen Hochdruckreiniger für das Inselbad.

10.12.2010
Gespräch mit dem Kanzler und der Präsidialabteilung der TU Darmstadt betreffend die Regenwassernutzung auf dem Campus Lichtwiese. Die TU sagt zu, nicht benötigtes Regenwasser dem Darmbach zuzuführen.

2014
Positionierung der Woogsfreunde bezüglich einer künftigen Einleitung des Meiereibachs in den Darmbach:

So wünschenswert in den Sommermonaten eine zusätzlich zufließende Wassermenge wäre, kommt die Einleitung des Meiereibachs nur in Frage, wenn dadurch die Wasserqualität des Darmbachs definitiv nicht verschlechtert wird. 

(Die Einleitung des Meiereibachs in den Darmbach ist Teil der Planungen zur Abkoppeln des Darmbachs von der Kanalisation und seiner Offenlegung in der Innenstadt. Bislang aber ist der Meiereibach stärker mit Nährstoffen belastet als der Darmbach.)

17. Dezember 2013
Die Woogsfreunde erreichen, dass eine Magistratsvorlage bezüglich der Wiederaufnahme der Abkopplung des Darmbaches vom Kanalisationsnetz von der Stadtverordnetenversammlung in einer ergänzten Fassung beschlossen wird: „Punkt 7: Beeinträchtigungen des Großen Woogs in seiner Funktion als Naturbadesee sind auszuschließen.“

4. Dezember 2018
Die Mitgliederversammlung beschließt eine Satzungsänderung. Diese betrifft insbesondere Datenschutzregelungen für die Vereinsverwaltung. Die gemeinnützigen Ziele der Bürgeraktion bleiben unverändert.

Ria Wolf wird auf Beschluss der Mitgliederversammlung in Anerkennung ihrer Verdienste für den Verein zum Ehrenmitglied ernannt.